5 Vorurteile gegenüber Bioplastik

5 Vorurteile gegenüber Bioplastik
und warum Sie sich von der Informationsflut nicht verschlingen lassen sollten…

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Plastik schadet der Umwelt, das wissen wir alle. Bioplastik kann ein vielversprechendes Ersatzprodukt sein und wird immer bekannter. Mindestens genauso bekannt sind diese fünf Vorurteile, um das Thema Biokunststoff wieder vom Tisch zu fegen. Dabei ist es an der Zeit, sich konstruktiv mit Alternativen zu Plastik auseinanderzusetzen.

1. Vorurteil: Durch den Anbau von Mais für die Bioplastikproduktion entsteht eine Lebensmittelknappheit.

Auf dem europäischen Markt könnte die Nutzung von Stärke für die Herstellung von Verpackungsmaterial zukünftig tatsächlich zu einer Erhöhung der Lebensmittelpreise führen. Global gesehen ist die obige Aussage jedoch nicht schlüssig. Laut World Food Programme, der größten humanitären Organisation der Welt, entstehen weltweit Hungernöte durch den Klimawandel, Kriege und die ineffiziente Nutzung von lokalen Ressourcen. Nachhaltige Hilfe gegen Hunger sind Bildung und Bargeld, Lebensmittel aus Europa jedoch nicht. Bei einem weltweiten Flächenanteil von 0,02% für den Anbau von Rohstoffen für Biokunststoffe droht aktuell keine Lebensmittelknappheit (http://www.natureworksllc.com). Vielmehr entspricht die Menge an Mais, die für Verpackungsmaterialien verwendet wird, in manchen Jahren auch den Mehrerträgen in der Landwirtschaft, die durch günstige Witterung eingebracht werden.

2. Vorurteil: Wo Biokunststoff draufsteht, ist nicht Bio drin, sondern Erdölbasiertes Plastik.

Der Begriff „Bio“ kann bei Plastik tatsächlich biobasiert, bioabbaubar oder beides bedeuten. Ein Hinterfragen, um was für ein Produkt es sich handelt, ist durchaus sinnvoll, denn eine einheitliche Norm, die beschreibt, was Bioplastik ist, gibt es noch nicht. Ein Logo auf dem Plastikprodukt (z.B. der Keimling) sagt auch nur etwas über die Abbaubarkeit aus, gibt aber keinerlei Informationen dazu, wie hoch der Anteil nachwachsender Rohstoffe am Plastikprodukt ist. Bezüglich dieser Frage lohnt sich ein Blick auf die Herstellerangaben, da der Anteil nachwachsender Rohstoffe variieren kann. Viele Produzenten – (NaKu eingeschlossen 😉 ) stellen allerdings bereits qualitativ sehr hochwertige Bioplastikprodukte her, welche innovativ und gesundheitlich unbedenklich sind.

3. Vorurteil: Die Bioplastikverpackung, die ich bei mir im Garten eingegraben habe, hat keine Kompostierungseigenschaften.

Ein wenig Geduld ist angesagt. Wenn das Bioplastikprodukt der DIN EN 13432 entspricht, bedeutet dies, dass mindestens 90% des Materials innerhalb von 6 Monaten biologisch abbaubar sind und ausschließlich Kohlendioxid (CO2), Wasser (H2O) und Biomasse dabei entstehen. Dies kann durch ein Logo (z.B. das Keimling-Logo) gekennzeichnet sein. Parameter wie Temperatur, Feuchtigkeit und pH-Wert sind bei dem Abbau jedoch entscheidend. Abbauprozesse im Gartenkompost laufen deshalb wesentlich langsamer ab, als die Zersetzung in der Kompostieranlage.

4. Vorurteil: Die Bioplastiktüten werden in der Müllsortierung wie normales Plastik aussortiert und verbrannt, wozu das abbaubare Material dann überhaupt verwenden?

Manche Kommunen haben ihr Müllsortiersystem noch nicht auf Bioplastik eingestellt. Dort wird die Bioplastiktüte tatsächlich maschinell aus dem Biomüll aussortiert und verbrannt, weil sie sich im Sortierverfahren oft nicht von einer Plastiktüte unterscheiden lässt. Davon sollte man sich jedoch nicht verunsichern lassen, denn in Anbetracht der zahlreichen Plastiktüten, die in der Umwelt landen, ist die Frage darauf, woraus diese Tüten bestehen sollten, eindeutig. Eines ist klar: das Problem sind nicht die Bioplastiktüten, die in der Umwelt landen, sondern die Plastiktüten, die nicht aussortiert werden und in der Kompostierungsanlage landen.
Kommunen, die die Bioplastiktüte in der Biotonne willkommen heißen, profitieren bereits: durch Ihre Nutzung wird ca. 10% mehr Biomüll eingesammelt und 67% weniger konventionelle Plastiktüten landen in der Biotonne (www.plasticsportal.net).

5. Vorurteil: Bioplastik zerstört die Umwelt, es ist nicht besser als normales Plastik.

Tatsächlich schneidet Bioplastik in Sachen Umweltfreundlichkeit in der Produktion nicht viel besser ab, als normales Plastik (Umweltbundesamt, 2012). Als Ersatzprodukt mit äquivalentem CO2-Fußabdruck hat es in zahlreichen Anwendungen gegenüber dem konventionellen Material allerdings einige Umweltvorteile. Dazu gehören die biologische Abbaubarkeit, Kreislauffähigkeit und Eigenschaft mancher Bioplastikarten, Wasser aufzunehmen, was zur längeren Haltbarkeit von Lebensmitteln und deren Aroma beitragen kann (Österreichisches Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt- und Wasserwirtschaft).

Angesichts sich verknappender Erdölressourcen, Klimaschäden und riesiger Umweltbelastungen durch Plastikstrudel im Meer ist es schlussendlich jedoch offensichtlich, dass das Zeitalter des Plastiks sein eigenes Ende eingeläutet hat. Denn es kommt darauf an, womit man Bioplastik vergleicht –  es wurde nie mit dem Gedanken eingeführt, Glas oder Papier zu ersetzen, sondern diese durch andere Eigenschaften zu ergänzen.
Vergleicht man es hingegen mit herkömmlichen Plastik, dann geht Bioplastik eindeutig als Sieger hervor!